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Von Tschechoslowakischen Wolfshunden und anderen tollen Tieren

Von der Steppe in den Wald

Auf abenteuerlichen Wegen gelangt die in der nordafrikanischen Steppe geborene Pariahündin "Wolfsblut" nach Deutschland.
Hier trifft sie auf den Wolfshundwelpen Faol, der in ihrer Obhut heranwächst. Hier die Geschichte dieser faszinierenden Geschöpfe...

Faol und Wolfsblut

Es war am 26. Februar 2005, als sich für mich mit “Faol” ein lang gehegter Kindheitstraum erfüllte: ein eigener Tschechoslowakischer Wolfshund - das gezähmte, zum Haustier gewordene Abbild meines Lieblingstieres als Freund und Begleiter!

Man verzeihe mir, mich mit einem "zahmen Wolf” schmücken zu wollen - natürlich sind solche Ambitionen die denkbar schlechtesten Voraussetzungen für die Anschaffung eines Tieres, dass eine gehörige Portion an Erfahrung, Zeit, Einfühlungsvermögen und Beschäftigung verlangt, um ein angenehmer und erträglicher Hausgenosse zu werden. Letztendlich aber haben Liebhaber jeder Rasse ihre besonderen Gründe, sich für gerade “ihre” Rasse zu entscheiden. Abgesehen von Hunden, mit denen gearbeitet wird,ist das wohl bei den Meisten zunächst das äußere Erscheinungsbild und gerade beim Tschechoslowakischen Wolfshund (im folgenden TWH abgekürzt) spielt - da bin ich sicher - gerade das ursprüngliche, wildtierhafte Aussehen durch das wir uns ein Stückchen verlorene Natürlichkeit in unsere denaturierte Welt wiederzuholen erhoffen, eine große Rolle.



Nicht vergessen darf man dabei, dass es sich bei gerade diesem Hund tatsächlich um ein dem Wolf noch recht nahe stehendes Tier handelt, das weit höhere Ansprüche stellt als die meisten anderen Rassen, aber dazu später.

Tschechoslowakischer Wolfshund Zum ersten Mal gehört hatte ich von dieser jungen Rasse Anfang der achtziger Jahre. Mein Interesse alles über diese Tiere zu erfahren, war sofort geweckt. Zu der Zeit waren Informationen aber schwer zu bekommen - das Internet hatte noch keinen Einzug in Privathaushalte gefunden und umfangreiche Lektüre gab es auch keine. (Bis heute nicht, leider) Außerdem war ich damals noch ein Kind und hatte mich natürlich vorrangig schulischen Aufgaben zu widmen als der Wunschvorstellung nach einem offensichtlich schwierig zu haltenden Hund nachzuhängen.

Wohl aber erlaubten meine Eltern mir, einen aufgelesen Straßenhund zu behalten, der mich fortan auf Schritt und Tritt durch meine Kindheit begleitete und mir in seinem langen Leben erste wichtige und wertvolle Erfahrungen im Umgang mit Hunden vermittelte. Er starb, als ich selbst bereits Kinder hatte.

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Mein Lebensweg führte mich dann in den Iran und später nach Nordafrika, wo ich viele Jahre verbrachte. In den ländlichen Randgebieten nahe der Sahara, wo ich mit meiner arabischen Familie lebte, gab es Rudel von so genannten Paria- oder Shensihunden, ehemals verwilderten Haushunden, vergleichbar mit den australischen Dingos. Seit Generationen vom Menschen weitgehend unabhängig, lebten sie vom Abfall der Städte und Dörfer und kamen auch mitunter nachts im Schutz der Dunkelheit in die Wohngebiete. Als Aasfresser und Hühnerdiebe verschrieen und ohne jede Lobby, hatten sie die Menschen gründlich fürchten und meiden gelernt. Sie galten - zu Unrecht - als aggressiv und schwer zähmbar.

Wolfsblut

Trotzdem wurden neugeborene Würfe oft den Eltern einfach weggenommen, wenn man ihre Höhlen entdeckte und es schaffte, das Rudel mit Steingeschossen auf Abstand zu halten. Die Jungen, in der Regel ohne jede Überlebenschance, wurden dann als Kinderspielzeug verkauft. Meine Familie war in der Nachbarschaft für ihre Tierliebe bekannt und so landeten recht häufig so unliebsame gewordene Spielzeuge über die Mauer geworfen in unserem kleinen Vorgarten. Meistens starben sie, bevor wir irgendetwas für sie tun konnten.

So gelangte am 1.1.2000 eine nicht einmal eine Woche alte, wildgeborene Hündin bei uns, die ich nach dem Lieblingsroman meiner Kindheit “Wolfsblut“ nannte. Niemand gab ihr eine reelle Überlebenschance, nicht einmal ich. Sie war einfach zu jung, die Augen noch geschlossen und die Reste der eingetrockneten Nabelschnur hingen noch an ihrem von Würmern aufgedunsenen Bäuchlein.

Aber sie war zäh und mit der Milchersatzmischung, die ich ihr nach Anweisung einer Tierärztin in einer Spritze verabreichte, entwickelte sie sich unter meinem Pullover in den kommenden Wochen zu einem gesunden, kräftigen Junghund. Die anderen Hunde, die bereits in unserem Haushalt lebten, übernahmen wertvolle Dienste, sie zu sozialisieren, was sie bei ihren eigenen Eltern und Geschwister ja nicht konnte.

Ausgewachsen ähnelte Wolfsblut einem Kojoten und zeigte exakt die Verhaltensmuster, die man auch dem Tschechoslowakischen Wolfshund zuschreibt: Ein Rest von Wildheit und Menschenscheue (außer der Familie gegenüber) blieb ihr zeitlebens. Sie entschied und handelte (nicht immer zu meiner Freude) selbstständig, betrachtete unsere Beziehung eher partnerschaftlich als wie ein Mensch/Hund-Verhältnis, und hatte einen Jagdtrieb, der auch vor “Großwild” wie Kühen und Pferden nicht halt machte. Sie kam wenn ihr nach Streicheleinheiten zumute war und zog sich zurück wenn sie allein sein wollte. Manchmal erinnerte sie mich eher an eine Katze, als an einen Hund.

Wolli und Paul Obwohl sie keineswegs zum Streunen neigte, war sie außerordentlich freiheitsliebend und zeigte, wenn man sie einsperren wollte, das Problemlösungsverhalten ihrer wilden Ahnen. Ihre Phantasie, wenn es darum ging sich selbst zu befreien, überstieg die unsrige bei Weitem: Sie öffnete Fenster, Türen (selbst solche mit Drehknäufen) und übersprang oder überkletterte die unglaublichsten Hürden. Einem überdachten Gehege, dessen Gitter auf gesamter Länge einen halben Meter in den Boden eingelassen war, entkam sie indem sie es samt davor verlaufender Straße untertunnelte. Ich ertappte sie mehrmals sogar beim Überklettern unseres Wohnhauses, von dessen Dach sie auf die niedriger gelegenen Nachbardächer sprang und so den Weg ins Freie fand. Eine erstaunliche Leistung!

Ihre Erziehung erforderte absolute Konsequenz und Durchsetzungsvermögen. Doch bei aller Strenge duldete sie keinen Despotismus, der sie höchstens dazu brachte sich aufzulehnen und ihrerseits aggressiv zu reagieren.

Innerhalb der Familie war sie absolut freundlich und sehr duldsam mit den Kindern. Fremden gegenüber aber verhielt sie sich ausgesprochen misstrauisch und ablehnend. Ihr Vertrauen zu gewinnen war eine langwierige Angelegenheit. Spürte sie, dass jemand Angst vor ihr hatte, nutzte sie das schamlos aus und baute sich bedrohlich knurrend und zähnefletschend vor jedem Eindringling auf.

Kurzum - sie war nicht das, was man sich unter einem idealen Haushund vorstellt.

Was sie außerdem noch zu einem schwierig im Haus zu haltenden Hund machte war, dass sie bei jedem Fellwechsel so unglaubliche Mengen von Wolle verlor, dass sie aussah als würde sie in Fetzen hängen wie ein Büffel. Selbst mit dem besten Staubsauger kam ich gegen die Knäuel von Haaren in allen Ecken, Schränken, selbst im Kühlschrank und in Marmaladengläsern nicht an. Irgendwann kam ich auf die Idee, aus der Not eine Tugend zu machen. Ich sammelte die Wolle, verspann und verstrickte sie und ging im Winter mit ihr im Partnerlook. Ihre Fressgier war unvorstellbar. Käufliches Hundefutter gab es nicht und sie verschlang einfach alles, was nur irgendwie essbar war. Unter anderem mein Lieblingsstofftier und meine einzige vom Flohmarkt erworbene Felljacke. Erstaunlicherweise wurde sie niemals krank davon.Irgendwann kam ich auf die Idee, aus der Not eine Tugend zu machen. Ich sammelte die Wolle, verspann und verstrickte sie und ging im Winter mit ihr im Partnerlook.



Abgesehen davon aber war sie, weil sie mich achtete und alles tat, um auch von mir geachtet und beachtet zu werden, gehorsamer als jeder andere Hund, den ich kannte, intelligent, lernbegierig und zuverlässig. Ich bildete sie als Suchhund aus, sie arbeitete als Schlittenhund, lernte auf Kommando verschiedene Dinge herbeizubringen und hatte große Freude an Agility. Sie wurde so zum Aushängeschild für die kleine Hundeschule, die ich einige Jahre leitete.

In einem Land, in dem Tiere kaum eine Lobby haben, kaum jemand Zeit und Muße hat, sich mit einem Haustier zu beschäftigen weil die Menschen sich mit ganz anderen Problemen auseinandersetzen müssen, empfand man die Vorstellung einem Hund ein simples “Sitz” beizubringen, schon als etwas Außergewöhnliches. Einem so genannten “arabischen Hund”, der allgemein als wild und unberechenbar galt, traute man eine solche Leistung schon gar nicht zu. Beliebt waren einzig bei jungen Leuten deutsche Rassen wie, Schäferhund, Rottweiler, Dobermann und alle Kampfhunde, die aber nur auf Angriff dressiert wurden und daher häufig selbst unberechenbar waren.

Wolfsblut war daher schon eine kleine Attraktion und bescherte mir eine Menge Kunden.

Anfang 2004 machte sie sich gemeinsam mit uns auf die abenteuerlichste Reise unseres Lebens - wir verließen das Land, heimlich, ohne Gepäck, auf Umwegen und kamen nach Deutschland, wo Wolfsblut fortan ein großes Haus mit angrenzendem 1500m² Gehege ihr Revier nannte. Amüsiert beobachteten wir, wie sie vorsichtig Schritt für Schritt durch ihr bis dahin vollkommen unbekanntes Gras stapfte, den Blick ungläubig in die mächtigen Baumkronen schweifen ließ und den vielfältigen Stimmen der Singvögel lauschte. Wir mussten sie regelrecht ermuntern, einen Fuß vor den anderen zu setzen.

Dass die Menschen hierzulande fast durchweg hundefreundlich eingestellt sind, niemand schimpfend und schreiend bei ihrem Anblick davonlief oder mit Steinen nach ihr warf, bemerkte sie durchaus. Es irritierte sie. Staunend blickte sie den Leuten hinterher, die bei Spaziergängen an uns vorübergingen. Erst nach und nach verlor sie ihr Misstrauen. Ein Rest der ihr angeborenen Scheu hat sie dennoch zeitlebens behalten. Letztendlich aber gelang ihr die Umstellung und die Gewöhnung an das deutsche Klima schneller als mir.

Wolli und Paul

Faol

Warum ich das alles berichte über einen Hund, um den es hier in erster Linie gar nicht geht - der ja gar kein Tschechoslowakischer Wolfshund ist? - Nun, zunächst (man liest es vielleicht heraus) weil sie mir durch alle bestandenen Abenteuer so unglaublich ans Herz gewachsen war (ohne ihren mutigen, selbstständigen Einsatz hätte es einige Male schlimm um uns gestanden) und auch, um zu zeigen, dass sie mich in Punkto Erfahrung auch mit schwierigen Hunden erst richtig fit gemacht hat für den Tschechoslowakischen Wolfshund.

Zurück in Deutschland nach einer schwierigen Zeit der Wiedereingewöhnung in eine bekannte und doch fremd gewordene Kultur, ließ ich mich überreden mich mit dem Medium Computer anzufreunden. So fand ich endlich Zugang zu Informationen zu einer lange auf Eis gelegenen Passion. Unzählige Seiten zum Thema TWH taten sich auf! Und wie erstaunt war ich, in jeder Typenbeschreibung mein kleines Wolfsblut wieder zu finden! (Wenn auch einige Horrormeldungen dabei waren, denen ich rassetypisch aber keine zu große Bedeutung beimesse, da bekanntermaßen aus jedem vernachlässigten und falsch gehaltenen Hund eine Gefahr ausgehen kann, die um so größer ist je größer und kräftiger der entsprechende Hund ist). Auch äußerlich war Wolfsblut den dort abgebildeten Tieren nicht unähnlich, wenn sie auch kleiner und zierlicher und ihr Fell eher sandfarben mit der dunkleren Schabracke war.

Nun also zu Faol:

Das Inserat fand ich durch Zufall beim Surfen im Internet. Faol stammte aus keiner professionellen Zucht, sondern war Nachkomme zweier in einem Privathaushalt gehaltener Wolfshunde. Abstammungspapiere hatte er deshalb auch nicht, dafür war er wesentlich preiswerter. Immer wieder wird davon abgeraten, Hunde aus Zufallsverpaarungen zu erwerben, aus Gründen wie möglicher charakterlicher und gesundheitlicher Mängel. Das mag durchaus seine Berechtigung haben, aber ich bin der Ansicht, dass man in dieser Hinsicht auch mit Tieren, deren Papiere makellos sind keine absolute Garantie hat. Ich kenne genügend Menschen, die für ihre teuer erworbenen Rassehunde horrende Tierarztrechnungen bezahlen und andere, die ihre von der Strasse aufgelesenen Hunde nur zum Impfen dem Arzt vorstellen müssen. Welche Missachtung auch all den Hundebesitzern gegenüber, die auf menschenerdachte Rassestandarts keinen Wert legen und sich einen Mischling anschaffen! Wolli und Paul (Es ist nicht meine Absicht, auch nur einem einzigen Züchter ganz gleich welcher Rasse, auf den Schlips zu treten, sicher sind diese auch am allerbesten in der Lage, Informationen und Ratschläge zu ihrer Rasse zu erteilen - dies nur, weil ich selbst schon sehr unschöne Bemerkungen zu meinem papierlosen, aber ansonsten einwandfreien TWH hinnehmen musste.)

An dem Tag als ich mich auf das Inserat meldete, waren die Welpen gerade geboren. Ich hatte Gelegenheit mir beide Eltern anzusehen und mich vom liebenswürdigen und menschenfreundlichen Charakter der beiden zu überzeugen. Unter den Jungen hatte ich die freie Auswahl und entschied mich für den einzigen Rüden des Wurfes, der schon zu diesem Zeitpunkt sehr viel ruhiger und angenehmer war, als seine sehr dominanten Schwestern.

Nun also, als naturverbundener Individualist mit viel Zeit, Erfahrung, dem unerlässlichen sicher eingezäunten Garten, gründlich eingelesen und über Jahre vorbereitet auf diesen Hund, war ich auf alle Eventualitäten eingestellt.

Nur nicht auf das, was ich tatsächlich mit ihm erlebte! Auf ein so und angenehmes Tier war ich nicht gefasst gewesen. Faol (das gälische Wort für Wolf) mag, was seinen Charakter und sein ausgeglichenes Temperament angeht vielleicht etwas rasseuntypisch sein; seine Erziehung war leicht und unkompliziert und eine wahre Wohltat nach meinen Erfahrungen mit Wolfsblut.

Allerdings tat auch er nichts aus Zwang oder mit Druck - man musste sich schon die Mühe geben, ihn von der Richtigkeit einer Aufgabe zu überzeugen und stets und ausschließlich nach dem Belohnungsprinzip vorgehen. Ein lautes Wort nur und er zog sich winselnd zurück und verweigerte sich erst mal. Ebenso war er niemals für stupide Wiederholungsübungen zu haben.

Tschechoslowakischer Wolfshund Welpe Wolfsblut brauchte einige Zeit, um den kleinen Neuling zu akzeptieren - wie jede andere normale Hündin hatte auch sie nie vom gern und oft zitierten Welpenschutz fremden Jungen gegenüber gehört. Sie gewöhnte sich aber recht schnell an ihn, vor allem auch, weil Faol von Anfang an den gebührenden Respekt und die Unterwürfigkeit vor dem Althund zeigte. Er lernte schnell, wie man sich als Hund im Haus zu benehmen hat, war nach zwei Wochen stubenrein und lernte dank ausreichender Beschäftigung bald, dass man sich nicht an Wohnungseinrichtungen zu vergehen hat.

Einzig das Alleinsein fällt ihm zeitlebens ungeheuer schwer. Gott sei Dank kam es fast nie dazu. Wenn es sich doch für kurze Zeit nicht umgehen ließ, verfiel er sogleich in trauriges, langgezogenes Wolfsgeheul, das dann schaurigschön durch den ganzen Ort hallte. Nur zu solchen Gelegenheiten zeigte dieser Hund, der ansonsten sehr vielfältige und differenzierte Möglichkeiten zur Lautäußerung hat, wie laut er sein konnte. Zusammen im Gehege hatten die Hunde sich angewöhnt, täglich in den frühen Abendstunden ein kleines Heulkonzert zu bringen.

Da Wolfsblut, wie die meisten erwachsenen Wildhunde, selten zum Spielen mit dem jungen Faol aufgelegt war, sorgten die zahlreichen Welpen und Althunde in der Nachbarschaft, die fast täglich zu Besuch kamen, für seine nötige Abwechslung und gaben ihm die Gelegenheit die guten Hundemanieren zu erlernen und sich in der Hundegesellschaft zurecht zu finden.

So gut, wie er sich später mit allen Hunden, egal welchen Geschlechts und Alters verstand, verstand er sich auch mit Kindern. Fremden Erwachsenen gegenüber war er stets erst zurückhaltend - man muss seine Zuneigung gewinnen - Kinder aber mochte er von Anfang an. Je kleiner und hilfsbedürftiger sie waren, desto stärker fühlte er sich von ihnen angezogen. Wir haben einmal beobachtet, wie er einem Säugling seine Leckerlies in den Kinderwagen direkt auf das Kopfkissen gelegt hat. Nüchtern betrachtet denke ich nicht, dass wir, so gerührt wir auch waren, unsere menschlichen Beweggründe für ein solches Verhalten, Fürsorglichkeit und Verantwortungsbewusstsein, auf einen Hund übertragen können. Aber ich möchte gern glauben, dass es zumindest einer großen Zuneigung zu dem Menschlein entsprang, die ihn so handeln ließ.

Wolli und Paul Mit einiger Skepsis erwartete ich anfangs die Entwicklung seines Jagdtriebs. Natürlich war sie vorhanden, wie sollte es auch anders sein. Es fällt mir heute noch schwer, etwas so natürliches und selbstverständliches, wie die Jagdleidenschaft eines Raubtieres, immer wieder unterbinden zu müssen. Bei solchen Gelegenheiten kommen mir dann doch immer Zweifel an unserem menschlichen Anliegen, ein als Raubtier geborenes Tier in unsere Zivilisation eingliedern zu wollen und gleichzeitig zu verlangen, dass es seine natürlichen Instinkte uns zuliebe gefälligst unterdrückt.

Aber auch hier zeigte er von Anfang an Gehorsam und lässt sich auch später noch, längst ausgewachsen und sehr selbstbewusst geworden, problemlos abrufen sobald ich merkte, dass er Witterung aufnahm. Aus dem Grunde war es nie ein Problem, ihn ohne Leine laufen zu lassen.

Wenn er in seinem Gehege allerdings Beute machte, einen Vogel oder ein Kanins´chen fing, frass er sie mit Haut und Haar.

Da ich ein Pferd hatte und oft in der Umgebung ausritt, wollte ich die Hunde gern als Reitbegleithunde mitnehmen. Mit Faol allein war das bedingt möglich - zusammen mit Wolfsblut aber fühlte er sich ständig animiert, das arme Pferd von allen Seiten zu attackieren. Das Pferd seinerseits ließ sich aber auch nicht lumpen. Es war durchaus wehrhaft. Eigentlich hatte ich mehr Angst um die Hunde, für die ein gezielter Tritt unter Umständen tödlich hätte ausgehen könnte. Das mit der Reitbegleitung habe ich dann leider gelassen. Die Hunde warteten wohl oder übelauf dem Hof in der Box auf mich.



Was Faol von vielen anderen Hunden unterschied war, dass er auch als er älter wurde, in die Pubertät kam und somit in ein Alter in dem Junghunde sich behaupten und beweisen möchten, niemals von sich aus die Konfrontation suchte. Stets war er bedacht Konflikte zu vermeiden, ihnen aus dem Weg zu gehen und notfalls den Kürzeren zu ziehen - auch viel kleineren Hunden gegenüber - als sich auf einen Streit einzulassen. Allgemein zeigte er ein souverän dominantes Auftreten, dass es unnötig machte, aggressive Drohgebärden zur Schau zu stellen. Die Unterordnungsbereitschaft mir gegenüber, der Gehorsam und die Treue dieses Kolosses von einem Hund, der ausgewachsen eine Schulterhöhe von 75cm hatte und aufrecht stehend ebenso groß ist wie ich, rührte mich immer wieder an. Dass ein Wesen wie er, so groß und stark und doch auch gleichzeitig oft ängstlich in unbekannten Situationen bei mir Schutz suchte und mir bedingungslos vertraute und gehorchte, erfüllte mich oft mit Erstaunen und auch mit Stolz. Es machte mir aber auch immer wieder deutlich, welch große Verantwortung ich mit ihm übernommen hatte - und das nicht nur für kurze Zeit, sondern für einen sehr langen Zeitraum.

TWH Welpe Ich kann nicht verschweigen, dass es immer ein sehr erhabenes Gefühl war, mit diesem auffälligen Geschöpf auf der Strasse angestarrt zu werden. Man sollte ein Tier sicher nicht als Statussymbol missbrauchen oder als Mittel sich selbst zu profilieren, wie es in gewissen Kreisen gerade mit Kampfhunden häufig geschieht, aber ich denke, wenn die Beziehung zwischen Mensch und Hund stimmt, darf man ihn auch mit Stolz vorzeigen.

Die Kommentare, die wir zu hören bekamen, waren überwiegend positiv. Nur bei wenigen hat sich hartnäckig das Böse-Wolf-Syndrom gehalten. Kaum jemand aber ahnte, dass sich hinter seinem imposanten Äußeren ein Benjamin Blümchen verbarg.

Einzig der Shepardrüde meiner Schwester, mit dem er sich ansonsten gut verstand, hat ein einziges Mal die Kraft seiner annähernd 50 Kilo Gewicht zu spüren gekriegt, als dieser die läufige Wolfsblut (mittlerweile zu Faols treuer Gefährtin geworden) immer und immer wieder bedrängte und sich nicht im Mindesten um Faols mehrfache Aufforderungen, seiner Gefährtin nicht zu nahe zu kommen, kümmerte.

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Wolfsblut ist mit acht Jahren kastriert worden und kurze Zeit nach ihr auch Faol. Sie haben es gut überstanden. Es war nicht der Wunsch durch die Kastration eine positive Veränderung ihrer Charaktere zu erreichen. Es lagen leider bei beiden medizinische Notwendigkeiten vor. Wolfblut litt an Zysten und Faol (der später der Einfachheit halber nur noch Paul genannt wurde) bekam Hodenkrebs.

Wenn sie sich tagsüber genügend ausgetobt hatten lagen sie unter meinem Schreibtisch und ich wärmte beim Arbeiten meine Füße in ihrem dicken Pelz. Ob sie ahnten, wennich über sie schrieb? Wohl kaum, es würde sie auch nicht interessiert haben. Gleichwohl glaubte ich, sie merkten, dass ich mit meinen Gedanken bei ihnen war.

Spaziergang Wolli starb im Jahre 2012 mit 14 Jahren an Altersschwäche. Faol starb vier Jahre später. Nach einer zweifachen Magendrehung musste ich ihn einschläfern lassen. Er wurde nur 11 Jahre alt. Diese Seite ist damit auch mein Vermächtnis an ihn.

Zum Schluss bleibt mir nur noch zu sagen, was wohl jeder stolze Hundebesitzer mit Fug und Recht behauptet: Meine Hunde waren die besten, klügsten, treuesten und schönsten auf der ganzen Welt!

Was wohl nichts anderes bestätigt, als die erstaunliche und wundervolle Tatsache, dass es auf dieser Erde, die so viele verschiedene Lebewesen hervorgebracht hat, es keine zwei anderen artfremden Geschöpfe gibt, die miteinander eine so enge soziale Bindung einzugehen imstande sind wie eben wir Menschen und die Hunde.

Wie reichhaltig die Fähigkeit der Kommunikation zwischen zwei in ihren Familienstrukturen so ähnlichen und doch so verschiedenen Lebewesen, wenn nur der Mensch sich um Verständnis bemüht!

Vergessen wir nicht: “Ist der Hund dabei, wird der Mensch gleich menschlicher.”
(Hubert Ries)

Antje Bücker

Hunderassen
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